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Erfahrungen Selbsttherapiewochenende Hameln

Gerd-Werner, 57 Jahre, Ilsede – Erste Hausdörfer-Erfahrungen

Mittlerweile bin ich 57 Jahre mit meinem Stottern alt geworden. Wann es begonnen hat, kann ich rückblickend nicht mehr richtig feststellen, ich vermute aber, mein „Durchbruch“ zum Stottern kam so mit 5 Jahren nach einem schweren Unfall und mehrmonatigem Krankenhausaufenthalt. Seither begleitet es mich, prägt und beeinflusst mein Leben. Über das Stottern kann ich erst seit einigen Jahren offen reden – schließlich habe ich immer versucht, es zu verbergen. Was nur nicht funktionierte.
Mit der Familie konnte ich nicht darüber reden bzw. es wurde nicht darüber geredet, da viele in unserer Familie dieses Problem haben (in unterschiedlich schweren Ausführungen) und über ein Familienübel redet man(n/frau) halt nicht. Erste Hilfe bekam ich mit Mitte 20 durch eine Truppenarzt bei der Bundeswehr, der mich zum ersten Mal in eine Therapie bei einer Logopädin schickte. Weitere Therapien folgten in den nächsten Jahren. Was mir im Lauf der Therapien und Jahre klar wurde, war die Erkenntnis, dass mein Sprechen mit Melodie besser und flüssiger wurde. Also konzentrierte ich mich in den vergangenen 2-3 Jahrzehnten darauf, ruhiger, langsamer und betonter zu reden. Mein Stottern wurde weniger und die Blockaden erträglicher. Hilfreich waren Entspannungstechniken, die ich seit Jahren anwende – besonders das autogene Training.

Als ich vor einigen Monaten die Ausschreibung des Hausdörfer-Seminars in Hameln in die Hände bekam, stand für mich fest: Das versuche ich. Schließlich hatte ich selber das Gefühl, das „tönendes Sprechen“ etwas für mich sein könnte. Genaue Vorstellungen hatte ich zwar nicht, aber dafür war das Einstiegsseminar in Hameln ja genau richtig.
Angenehm war es, die Vorstellung der Hausdörfer-Methode in einer kleinen Selbsthilfe-Runde durch die beiden Dozenten Jan Heuvel und Guido Rohrbeck zu bekommen. Es blieb so Zeit und Gelegenheit zum eigenen Üben, auch wenn dieses anfangs manchmal schwer fiel. Bisher hatte ich mich und mein Sprechen noch nicht auf einem Video gesehen – die Gelegenheit bot sich auch hier (nach dem Vorher – Nachher-Prinzip). Ich denke, alle Teilnehmer werden gemerkt haben, dass die zweite Videoaufnahme nach den tönenden Einschüben deutlich besser war.

Die für mich wichtigste Erkenntnis nach dem Hameln-Wochenende ist, dass hier bereits vor vielen Jahren eine Methode entwickelt wurde, die auf meine speziellen Bedürfnisse und Reaktionen genau zugeschnitten ist. Das tönende Ziehen eines einzelnen Wortes über ca. 2 Sekunden im Laufe eines Satzes oder Halbsatzes hilft mir speziell, gut in einen tönenden Sprachfluss zu kommen. Gleichzeitig führt das bewusste Tönen zu einer „Egal-Stimmung“, wenn ich mich dazu überwinde. Und die drängt mein Stottern und die Angst vor dem sprachlichen Versagen noch mehr in den Hintergrund. Da ich täglich viele Gespräche im Beruf führe, hatte ich die letzten zwei Wochen schon oft Gelegenheit, an meinem Phlegma zu arbeiten. Ich bin mir darüber klar, dass ein langfristiger Erfolg natürlich von meinem Willen zum weiteren Üben und konsequentem Anwenden abhängt. Erste gute Erfolge ermuntern und bestärken mich aktuell. Ich bin auf einem guten Weg und hoffe, dass ich diesen nicht wieder verliere.


„Der Rattenfänger von Hameln“, Nico, 61 Jahre, Altenberge – Für das Hausdörfer-Seminar vom 9. bis 11. September 2011 hatten Jan Heuvel und Guido Rohrbeck eine sagenumwobene Kulisse gewählt. Die Kleinstadt Hameln, unweit von Hannover, wurde gewiss wegen ihrer zentralen Lage in der Nordhälfte der Bundesrepublik ausgesucht. Dennoch könnte man der Wahl dieses Ortes auch einen symbolischen Wert beimessen, da Jan Heuvel mich und die sechs anderen Teilnehmer ein Wochenende lang mit den befreienden Konzepten der Hausdörfer-Therapie in den Bann gezogen hat.

Während meines langen Stotterlebens habe ich (Jahrgang 1950) schon an mehreren stationären und ambulanten Therapien teilgenommen. Die zentrale Botschaft war ausnahmslos: ohne Fleiß kein Preis, das Stottern hat sich über Jahre in deinen Hirnstrukturen und Verhaltensmustern eingeschliffen, um dagegen anzukommen musst du Sprech- und Atemtechniken anwenden. Stets lautete die Devise: üben, üben, üben …

Ganz anders hat das Oskar Hausdörfer gesehen, wie der Ex-Stotterer Jan Heuvel uns auf überzeugende Art und Weise beibrachte. Dabei sind bei mir die folgenden Prinzipien und Empfehlungen am meisten hängen geblieben:

Diese Thesen waren für mich eine Offenbarung. Aber nicht alles ist leicht bei Hausdörfer. Der Knackpunkt ist wohl, dass der Stotterer sich eine phlegmatische Gefühlslage erarbeiten soll. Die übertriebene Empfindsamkeit in Bezug auf Sprache ist durch eine „Es-ist-mir-egal“-Einstellung zu ersetzen. Dies verlangt Selbstakzeptanz und vor allem den Mut, Sprechsituationen aktiv anzugehen. Um die Angstschwellen herabzusetzen kann das Rational-Emotive Training, basierend auf einer weltweit anerkannten und praxisorientierten Psychotherapie, behilflich sein.

Csaba, Frank, Gerd-Werner, Johanna, Julian, und Wiebke waren tolle Teilnehmer, die sich mit ihrer Persönlichkeit und ihren Problemen offen vor die Gruppe stellten. Die eher schlichte Unterbringung in der Jugendherberge schmiedete eine enge Verbundenheit, die auch die Referenten Jan und Guido solidarisch mit einschloss. Bei den Gruppentreffen kam neben allem Ernst der Humor nicht zu kurz. Einige Freiluft-Sessions auf der sonnigen Wiese am Weser-Ufer werden mir wohl immer in Erinnerung bleiben. Guido haben wir insbesondere für die gute Organisation zu danken. Die Teilnahme an diesem Seminar war für mich der richtige Impuls zur richtigen Zeit.