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Andreas

Mein Name ist Andreas, ich bin 36 Jahre alt und wohne in Soest…
So oder so ähnlich waren meine Formulierungen die ich nur mit grösster Mühe und Anstrengung beim Vorstellungsgespräch im Kreis der Teilnehmer des Hausdörfer-Seminares von den Lippen presste.

Es war wieder die Hölle für mich und irgendwie wünschte ich mir doch besser zu Hause geblieben zu sein.

Nach 3 Tagen Intensivkurs stand ich dann vor all den Teilnehmern und konnte frei sprechen.
Mehr noch. Ich war ruhig und überglücklich in eine Zeit zurückversetzt worden zu sein, in der ich noch nicht stotterte. Das Sprechen hat mir richtig Freude bereitet.

Was war geschehen? —- Ein kurzer Rückblick:

Ich stottere seit meinem 15 Lebensjahr.
Angefangen hat dieses Übel durch Missverständnisse in der Schule. Es war ein Schock für mich, als ich merkte, daß ich immer öfter beim Sprechen hängengeblieben bin. Irgendwann hat sich alles so gefestigt, bis ich wirklich nur noch den Gedanken vor Augen hatte: “ich kann nicht sprechen” 

Bis zum 15 Lebensjahr bekam ich durch die aktive mündliche Beteiligung im Schulunterricht nur die besten Noten. Sogar eine Versetzung zum Gymnasium wurde mir in Aussicht gestellt. Leider hat sich der Traum dann doch nicht erfüllt. In der Schule wurde dann “kann nicht sprechen” mit “Du weisst das ja nicht” interpretiert. Ich glaube, viele wissen, wie man sich da fühlt. Trotzdem habe ich einen guten Abschluss gehabt und eine Berufsausbildung absolviert.

Nach meiner Ausbildung habe ich mich auf die Suche nach geeigneten Therapien gegen das Stottern gemacht. Oh Gott was hab ich alles erlebt. Neurologen gaben mir Medikamente zur Stimmbandanregung, Andere Beruhigungsmittel. Bei Logopäden dann übte ich das atmen durch den Bauch heraus. Ich musste immer auf so grossen Bällen hüpfen. Aber sprechen konnte ich dadurch auch nicht besser. Als mir dann ein Logopäde sagte, man könne mir nicht mehr helfen,  hatte ich die Nase voll.

Für mich stand fest, daß keine Besserung der Situation möglich war. Trotzdem hatte ich Jahre danach immer den Gedanken, warum kannst Du eigentlich singen und frei sprechen wenn Du allein bist?
Keiner konnte mir diese Fragen beantworten.

Durch Zufall bin ich Anfang des Jahres 2004 im Internet über Erfahrungsberichte des Hausdörfer Seminares aufmerksam geworden. Es war immer von “Durch Nacht zum Licht” die Rede. Dieses war ein Buch, das von Oskar Hausdörfer im Jahr 1933 verfasst wurde und jetzt von der Stotterer Selbsthilfe als Nachdruck angeboten wird. Hausdörfer war selbst schwerer Stotterer und hat sich selbst mit seiner Methode vom Stottern befreit.

Ich bestellte mir das Buch und war überrascht. Ich habe mich in dem Buch selber entdeckt, es war so interessant das ich das Buch an einem Tag durchgelesen habe. Leider ging es mir trotzdem so wie vielen Anderen. Ich habe nicht alles, was dort drin steht, verstanden.

Schliesslich habe ich mich entschlossen an einem Hausdörfer Seminar teilzunehmen (2004 in Dortmund). Durch die Lehre “das Tönen bewusst zu steuern” und die Suggestionsübungen verhalfen mir zu einer Ruhe (Sprechruhe), die für mich heute noch beängstigend erscheint. Nach 3 Tagen habe ich mich gefühlt, als ob man mir ein 2. Leben geschenkt hätte. Ich konnte vor allen Teilnehmern frei sprechen und bekam plötzlich immer öfters den Gedanken ‘Du kannst ja doch Sprechen!’. Dann zu Hause hat sich dieses Erlebnis des frei Sprechens natürlich fortgesetzt.

Jetzt nach 4 Monaten halte ich mir immer noch alles vor Augen und der Gedanke “ich kann sprechen” ist immer noch da. Klar gibt es Höhen und Tiefen, aber Hausdörfer gibt genaue Anweisungen wie man sich nach kleinen Abstürzen wieder selbst findet.

Ich war so überzeugt von der natürlichen Methode, daß ich natürlich nach dem Seminar alles von Hausdörfer wissen wollte. Wie ein 6er im Lotto erscheint mir jetzt das Glück gehabt zu haben im Internet das Original Buch Hausdörfers “Durch Nacht zum Licht” von 1905 entdeckt zu haben. Auf 320 Seiten bekomme ich noch viel mehr Informationen über seine Lehre und Suggestionen. Nach dem Durchlesen bin ich jetzt der Überzeugung, daß es nur diese Methode sein kann, die langfristig hilft. Schade finde ich nur, daß die vielen Kapitel über Selbstsuggestion in der aktuellen Auflage nicht mehr zu finden sind.
Zwar bin ich noch nicht ganz vom Stottern befreit, aber einen riesigen Schritt vorwärts gekommen.
Natürlich habe ich mich bereits für das nächste Hausdörfer Seminar angemeldet.

Als Abschluss möchte ich mich hier noch bei den Kursleitern Jan, Manfred und Johhannes sowie allen Teilnehmern bedanken. Es war eine schöne Zeit. Ich kann nur allen empfehlen: nutzt diesen Schnupperkus der von der Stotterer Selbsthilfegruppe angeboten wird. Es lohnt sich garantiert.

Andreas Gleich     November 2004

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